Der Virtuose
Süditalien, Geburt des 18. Jahrhunderts: Carlotta stammt aus verarmtem Adel, ihr Papi hat Ländereien und Potenzial verspielt. Sie liebt den Gesang, vor allem, wenn Gasparo Conti seine unvergleichliche Stimme erhebt. Schon als zehnjähriges war sie verzaubert, wenn der Elfjährige in der Kirche hres Dorfes nicht weit von Neapel sang: ´´´´Überrascht lauschte ich dem leisen Applikation, dem langen Kolorit und dem Crescendo, das sich wie ein straffes Seidenband spannte.´´´´ Eines Tages ist Gasparo fort. Jahre anschließend taucht er als gefeierter Eunuche wieder auf. Carlotta, zwischenzeitlich O K vermählt mit dem Herzog von Rocca d?Evandro, der ihr aufgebraucht Ungezwungenheit lässt, hört ihn im neuen Teatro San Carlo in Neapel und ist nicht nur von seinem atemraubenden Sachverstand entzückt, an Stelle auch von seiner Ästhetik: ´´´´Groß: eine hochgewachsene Figur. Kräftig: Die Mantel mit den bauschigen Ärmeln spannt an der Brustkorb. Voll: Seine Lippen sind noch identisch keusch und wulstig, wie ich sie von jedweder vormals in Andenken habe.´´´´ Sie betäubt ihn, dessen ganze Passion in erster Linie der Musik und seiner Kunstfertigkeit gilt, und gewinnt ihn jedweder. Töne und Berührungen, Kantilenen und Umarmungen, Koloraturen und Küsse abgleiten untrennbar ineinander. Dazu die Luxus des amourösen Jahrhunderts: Reiche Gewänder, Essen und Trinken, bunt bemalte Kaleschen, Blicke aufs Ozean, Liebeshändel. Im Stadtzentrum aber aufrecht stehen die Musik und die Liebe, die Oper und ihr strahlender Held, der Carlotta von der Aura des Singens erzählt, von seinen Reisen und von seinem Komponistenfreund Händel in London. Und Carlotta lockt Gasparo immer tiefer in die Geheimnisse des Liebens ...
Author:Margriet de Sumpf
Verleger:Süddeutsche Journal
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